Psychohygiene

Achtsamkeitsübung: Bewusstes Hören

© Axel Kock - Fotolia.com

Heute möchte ich mich einem für mich persönlich sehr schönen Thema zuwenden: dem Hören. Warum mir das Thema so gut gefällt? Bei mir ist der Hörsinn ziemlich ausgeprägt und es macht mir Spaß, Geräusche zu analysieren.

Doch kommen wir nun zur Achtsamkeitsübung des Hörens. Wie bei allen Achtsamkeitsübungen ist es wichtig, nur wahrzunehmen und nicht zu werten. Also denken Sie nicht: „Die Musik ist zu laut.“ sondern hören Sie sich die Musik einfach nur an.

Beginnen wir mit dem Aufstehen: wahrscheinlich hat Sie Ihr Wecker aus dem Schlaf gerissen, falls Sie nicht zu den Glücklichen gehören, die von alleine aufwachen. Vielleicht hat Sie aber auch jemand anderes – hoffentlich liebevoll – geweckt. Machen Sie sich den Ton des Weckers oder die Stimme des Weckenden bewusst. Wie klang der Wecker? Schrill, laut oder melodisch? War es eine Computerstimme oder waren es gar Radioklänge, von denen Sie geweckt wurden? Spielte im Radio gerade ein Lied oder wurde gesprochen? Wie klang die Stimme des Weckenden? War sie laut, sanft, genervt, liebevoll, fordernd oder neutral? Eher hoch oder tief?

Nach diesen ersten bewussten Hör-Wahrnehmungen konzentrieren Sie sich bitte auf die anderen Geräusche, die Sie im Schlafzimmer hören können. Zunächst liegend im Bett: geht irgendwo ein Rollladen hoch? Hustet, pfeift oder redet jemand? Hören Sie Tierstimmen? Das Ticken einer Uhr? Das Gluckern der Heizung? Motorengeräusche von Autos oder Maschinen? Um noch mehr akustische Eindrücke zu gewinnen, können Sie jetzt aufstehen und das Fenster öffnen (falls es geschlossen war). Am geöffneten Fenster werden Sie sicher noch mehr Geräusche wahrnehmen.

Und schon geht es ab in den nächsten Raum. Nehmen wir mal das Badezimmer. Hier plätschert es vor allem, sei es beim Waschen, Baden, Duschen oder bei der Bedienung der Toilettenspülung. Zähneputzen und Gurgeln haben auch einen gewissen Unterhaltungswert, der Fön tut ein Weiteres.

In der Küche gibt es auch einiges zu hören: das Blubbern von Kaffeemaschine oder Teekochers, das Ploppen des Toasters, das Brutzeln der Pfanne, das Surren des Mixers oder auch die Beschallung durch das Radio. Achten Sie auf die Geräusche, die entstehen, wenn Sie Ihr Essen zubereiten. Vielleicht quietscht auch das ein oder andere Scharnier und Sie haben sich einfach schon daran gewöhnt. Lauschen Sie den Geräuschen, die Sie beim Essen und Trinken machen – sei es pusten, schlürfen, schmatzen oder kauen.

Falls Sie nun das Haus verlassen, achten Sie auf das Geräusch der sich schließenden Haustür und auf das Klirren Ihres Schlüsselbunds. Lauschen Sie dem Klang Ihrer Schritte auf dem Weg zu Ihrem Außentermin. Nehmen Sie draußen die Geräusche ganz bewusst war. Konzentrieren Sie sich stark darauf, ob Sie auch ganz leise Geräusche hören können. Diese gehen bei der heutigen Lärmüberflutung meist unter.

Achten Sie auf das Ploppen beim Öffnen der Autosicherung, auf das Brummen des Motors, das Surren der Fensterheber und auf die Geräusche, die die Reifen machen. Kupplung, Pedale und Gangschaltung machen auch typische Geräusche, nehmen Sie sie ganz bewusst wahr. Falls die Temperaturen und Ihre Fahrgeschwindigkeit dies erlauben, öffnen Sie ruhig die Fenster, damit Sie noch mehr verschiedene Geräusche hören können. Sie werden erstaunt sein, was Sie so zu hören bekommen.

Beim Außentermin angekommen werden Sie sicher noch mehr interessante Geräusche entdecken. Beim Einkaufen zum Beispiel scheppern die Wagen, der Pfandautomat schreddert das Pfandgut, die Backöfen und die Kühltruhen brummen und als Krönung scannt die Kasse lautstark piepend Ihre Einkäufe. Jetzt noch die Einkäufe in den raschelnden Tüten verstaut oder umweltbewusst in Stofftaschen oder Einkaufskörben.

Im Verlauf des restlichen Tages werden Ihnen sicher noch viele Geräusche begegnen. Nehmen Sie sie wahr und freuen Sie sich über die Schärfung Ihres Hörsinns. Zum Ausklang des Tages wünsche ich Ihnen, dass Sie eins hören: nichts. Denn die Stille ist – gerade nach so einem für die Ohren sehr anstrengenden Tag – Balsam für die Seele und die Ohren. Gute Nacht!

Dir gefällt vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar