Psychohygiene

Achtsamkeitsübung: Das Rosinen-Experiment

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Heute möchte ich Ihnen näherbringen, sich wieder mehr auf Ihre Körperwahrnehmung zu besinnen. Vorneweg: ich bin keine Therapeutin und schreibe einfach nur über meine Erlebnisse. Durch die Teilnahme an verschiedenen Genuss-Seminaren habe ich wortwörtlich am eigenen Leib erfahren, wie wichtig und wohltuend es ist, wieder mit allen Sinnen wahrzunehmen und zu genießen. Kommen Sie mit auf die Reise, es lohnt sich.

Jeder Mensch hat ja Sinne, die er bevorzugt. Sei es das Hören, das Sehen, das Riechen, das Schmecken oder das Fühlen. Ich möchte gerne mit dem Schmecken beginnen, da es meiner Meinung nach die größte Auswirkung auf unsere Gesundheit, nämlich auf unser Essverhalten hat. Wir stopfen oft viel zu viel wahllos in uns hinein und das tut uns gewiss nicht gut.

Und was tun wir nun dagegen? Als Erstes müssen wir uns das Schmecken wieder bewusst machen. Als eines der bekanntesten Beispiele zur Sensibilisierung des Geschmacks hat sich die Rosinenverkostung bewährt. Ich hoffe, Sie mögen Rosinen – dann ist das Geschmackserlebnis am angenehmsten. Eigentlich werden damit alle Sinne geschärft, aber der Geschmackssinn am meisten. Lassen Sie sich bei allen Teilschritten der Verkostung genügend Zeit, der ganze Vorgang kann bis zu einer Viertelstunde dauern.

Das Ganze funktioniert so: Sie schnappen sich eine Rosine und setzen sich bequem hin. Dann betrachten Sie als Nächstes die Rosine: welche Farbe hat sie? Eher gelblich, violett, mittelbraun, dunkelbraun oder fast schwarz? Wie sieht die Rosine aus? Ist sie eher noch etwas prall oder doch eher schrumplig?

Bewegen Sie jetzt die Rosine zwischen Ihren Fingern: wie fühlt sie sich an? Eher fest und hart oder doch weich und dehnbar? Ist sie eher warm oder kalt?

Führen Sie die Rosine an Ihre Nase und reiben Sie sie etwas. Was riechen Sie ? Hat sie eher einen süßlichen Geruch oder duftet sie kaum?

Jetzt fehlt außer dem Schmecken nur noch das Hören: Führen Sie die Rosine ans Ohr und bewegen Sie sie wieder zwischen Ihren Fingern. Wie hört sich das an? Eher knatschig oder raschelig?

Jetzt ist es endlich soweit: die Verkostung kann beginnen. Führen Sie die Rosine zum Mund und schließen Sie dann am besten die Augen, um sich nicht ablenken zu lassen. Fahren Sie mit der Rosine an Ihren Lippen entlang und fühlen Sie auch mit diesen die Beschaffenheit der Rosine. Öffnen Sie jetzt leicht den Mund und führen Sie die Rosine langsam in denselbigen. Endlich ist die Rosine da, wo sie hin soll! Spüren Sie die Rosine mit der Zunge und bewegen Sie sie im Mundraum herum. Drücken Sie die Rosine auch mal gegen den Gaumen. Wie fühlt sich das Ganze an?

Die finale Phase wird nun eingeleitet: nachdem Sie die Rosine gründlichst mit allen anderen Sinnen erfasst haben, ist als letzter Sinn der Geschmackssinn dran. Eigentlich schmecken Sie die Rosine ja schon ein bisschen, wenn sie Ihren Mundraum erreicht. Aber erst beim intensiven Lutschen und dem ersten Biss werden die Aromen so richtig freigesetzt. Wie schmeckt die Rosine? Vermutlich süß, vielleicht auch ein bisschen würzig. Versuchen Sie, den Geschmack ganz bewusst wahrzunehmen. Kauen Sie die Rosine gründlich und lassen Sie sich dabei Zeit. Hätten sie gedacht, dass Rosinen soo süß schmecken?

Meist sind die Rosinen ja mit anderen Zutaten kombiniert, sei es im Rosinenbrot/-brötchen oder im Studentenfutter. Durch diese Kombination, der sie eine gewisse Süße verleiht, fällt ihre Süßkraft natürlich nicht so stark auf wie beim puren Verzehr. Zählen Sie ruhig mit, wie oft Sie die Rosine kauen, ehe sie für immer durch Ihren Schlund entschwindet. Haben Sie immer noch den süßen Rosinengeschmack im Mund? Wie empfinden Sie ihn?

So, es ist an der Zeit, ein Resümee zu ziehen. Dieses kleine Experiment sollte Ihnen am Beispiel der Rosine bewusst machen, dass wir mir unseren Lebensmitteln achtsamer umgehen sollten. Wenn man die Dinge um sich herum intensiver wahrnimmt, geht es einem besser, weil man sich auch an kleinen Sachen erfreuen kann.

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