Reisen & Urlaub

Anleitung zum Auswandern

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Deutschland ist, zumindest aktuell, ein Einwanderungsland. Immerhin wechselten etwa im Jahr 2012 mehr als 1 Million Menschen ihren Hauptwohnsitz aus dem Ausland nach Deutschland. Dagegen verabschiedeten sich nur etwa 700 Tausend Menschen aus dem Inland in andere Gegenden dieser Erde. Es ist zugegebenermaßen auch ein gewaltiger Schritt, den eine Auswanderung bedeutet. Es handelt sich dabei nicht einfach um den Umzug in eine andere Stadt. Nicht selten beinhaltet es das Lernen einer anderen Sprache und das Einfinden in eine völlig andere Kultur mit zu Deutschland verschiedenen Wertmaßstäben. Doch mit einer gut durchdachten Planung und Vorbereitung kann auch eine Auswanderung gut über die Bühne gehen.

Die Vorbereitung

Üblicherweise sollte der oder die Auswanderungswillige die neue Heimat schon vor der Auswanderung kennen. Meist handelt es sich um vorhergehende Urlaubs- oder Geschäftsreisen, in denen das Land allgemein oder ein bestimmter Ort eine solche Faszination ausübt, dass der Auswanderungswillige beschließt, seinen oder ihren Lebensmittelpunkt hierher zu verlegen. Es gibt immer wieder Berichte von Auswanderern, die ihre neue Heimat nur aus dem Fernseher oder anderen Medien kannten und dann spontan dorthin übersiedelten. Aus Erfahrung sei hier gesagt, dass dies kaum funktionieren kann. Die Hürden der Bürokratie und die gesellschaftlichen Unterschiede sind meist so groß, dass diese Form der Auswanderung fast schon zwanghaft scheitern muss.
Wer also sein neues Heimatland bereits kennt und gewillt ist, in der Zukunft dort zu leben, kann mit der Vorbereitung beginnen. Ideal ist die Erstellung eines Masterplans mit einem Zeitablauf, in dem alle wichtigen Vorbereitungsschritte aufgezeichnet sind. Ein paar Stichworte dazu ergeben einen kurzen Überblick zum Inhalt des Plans:

• Geld
• Sprache
• Arbeitgeber Deutschland
• Arbeitgeber Ausland
• Versicherungen
• Ämter
• Wohnung Deutschland
• Wohnung Ausland
• Bank
• Transport

Mit diesen wenigen Stichpunkten lässt sich der Masterplan recht gut aufbauen. Das ganze beginnt wie so vieles im Leben mit dem lieben Geld.

Die Finanzierung der Auswanderung

Eine Auswanderung ist nicht billig. Die alte Wohnung in Deutschland muss aufgelöst und eine neue Wohnung oder ein Haus im Ausland eingerichtet werden. Dazu kommen Transportkosten sowie Kosten für die Behördengänge und nicht zuletzt eine Reserve für ungeplante Überraschungen, die mit einhundert prozentiger Sicherheit kommen werden. Wer dafür nicht bereits etwas auf der hohen Kante hat, kann nun beginnen zu sparen. Dieses Sparziel kann gleichzeitig als der eigentliche Auswanderungstermin genommen werden. Denn in diesem Zeitraum lassen sich ebenso die anderen Punkte vorbereiten.

Die Sprache

Das Schulenglisch ist zwar eine praktische Sache und hilft oft auch in entlegenen Ecken der Erde weiter, aber für das Leben in einem anderen Land sollte die Landessprache zumindest rudimentär beherrscht werden. Das Beherrschen der Landessprache hat viele Vorteile. Der oder die Auswanderin kommt mit den Einheimischen besser in Kontakt und die Versuchung, den Ausländer, der der Auswanderer nun ist, etwa beim täglichen Einkauf übers Ohr zu hauen, fällt dem Einheimischen schwerer. Zudem erleichtert es den Umgang mit Behörden und spart die Kosten für einen Dolmetscher bei schwierigen Angelegenheiten.
Sprachkurse für häufig vorkommende Sprachen wie Spanisch oder Portugiesisch werden etwa von Volkshochschulen angeboten.

Resturlaub und Beendigung des alten Arbeitsverhältnisses

Wenn der Auswanderungswillige auf ein neues Arbeitsverhältnis angewiesen ist, sollte die Kündigung des alten Jobs in Deutschland erst erfolgen, wenn die neue Arbeitsstelle im Ausland sicher ist. Der eventuell vorhandene Resturlaub kann wunderbar genutzt werden, um in dieser Zeit die Übersiedlung vorzunehmen.

Versicherungen

Die mit Abstand wichtigste Versicherung ist die für Krankheit und Unfall. Hier besteht über die gesetzlichen Krankenkassen eine Übergangsfrist von sechs Monaten, in denen der Auswanderer auch nach Kündigung des Arbeitsverhältnisses Leistungen beziehen kann und eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung kostet nur wenige Euro mehr. Das bietet genügend Zeit, um am neuen Wohnsitz im Ausland eine Krankenversicherung wie auch weitere Versicherungen abzuschließen.

Behörden und Ämter

Abmelden und Anmelden der alten und neuen Wohnungen sind das eine. Eine Aufenthaltsgenehmigung für den neuen Wohnort das andere. Diese muss meist bereits in den jeweiligen Vertretungen des Einwanderungslandes beantragt werden. Touristenvisa gelten üblicherweise maximal drei Monate, danach ist ein Residenten-Status notwendig. Die Botschaften und Konsulate der Länder helfen gerne dabei.
Ganz wichtig ist es, alle Angelegenheiten mit dem Finanzamt in Deutschland abschließend zu klären wie etwa die letzte Steuererklärung. Kein andere Behörde, außer vielleicht die Fahnder von Interpol, hat einen so langen Arm wie das Finanzamt.

Bank

Ein deutsches Bankkonto inklusive Kreditkarte ist für Auswanderungswillige immer eine praktische Sache. Allerdings akzeptieren momentan nur zwei deutsche Banken den Unterhalt eines Girokontos bei gleichzeitigem Wohnsitz im Ausland. Das ist einmal die DKB in Berlin und einmal die Comdirekt. Bei einer der Banken ein Konto zu unterhalten lohnt sich für Geldbewegungen auf jeden Fall.

Zuletzt der Transport

Möbel lassen sich heute praktisch überall hin versenden. Wichtig ist es, eine Spedition auszuwählen, die mit dem Einwanderungsland Erfahrungen besitzt. Diese kennen die oft komplexen Wege und Vorschriften der Zollbehörden sowie die Gepflogenheiten im Auswanderungsland.

Mit dieser Anleitung wird eine Auswanderung zwar immer noch nicht zum Kinderspiel, aber sie hilft, wichtige Punkte zu berücksichtigen, die im Eifer des Gefechts sonst gerne übersehen werden.

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