Geld verdienen

Pfandgut sammeln

Entgegen des von der Boulevardpresse verbreiteten Bildes vom Sozialschmarotzers nehmen viele Bedürftige aus Scham keine Sozialleistungen an. Außerdem gibt es zahlreiche Menschen, die zwar nach den offiziellen Kriterien arm sind, dies aber nicht wissen und daher auch keine Hilfe beanspruchen. Schließlich erhält ja niemand eine amtliche Mitteilung, dass er arm ist. Gerade in den großen Städten sind es nicht nur Obdachlose, die mit dem Sammeln von Pfand ihren Lebensunterhalt bestreiten. Auch Geringverdiener, Hartz-IV-Bezieher und Rentner versuchen durch Flaschensammeln ihr Einkommen zu steigern.

Das Geld liegt auf der Straße
Das Sammeln von Pfandgut auf der Straße kommt einem öffentlichen Eingeständnis der Armut gleich. Wer riskiert, von Freunden und Bekannten oder Nachbarn beim Sammeln von Flaschen und Dosen gesehen zu werden, muss erheblich unter Druck stehen. Dabei liegt das Geld buchstäblich auf der Straße oder steckt in den öffentlichen Abfallkörben. Was die eine Hälfte der Bevölkerung aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit wegwirft, scheint die andere Hälfte sich gewinnbringend zu holen. Bei der gestiegenen Konkurrenz ist es wichtig, strategisch beim Pfandsammeln vorzugehen. Wissen und eine strategische Vorgehensweise schaffen einen Vorsprung. Wann leert zum Beispiel der lokale Müllentsorger die Abfalleimer? Gibt es bestimmte „Geheimplätze“, an denen besonders viele Flaschen und Dosen entsorgt werden. Geübte Pfandsammler entwickeln mit der Zeit ein Gespür für eine erfolgversprechende Strategie. Trotzdem sind sie nicht dagegen gefeit, dass ein Konkurrent schon vor ihnen da war. Viele ist wissen nicht, dass der Inhalt eines Abfalleimers ausschließlich Eigentum des Entsorgers ist. Bislang ist jedoch kein Fall bekannt, dass ein Müllentsorgungsunternehmen einen Pfandsammler verklagt hätte. Die sind im Grunde genommen froh, wenn die Flaschensammler sie entlasten.

Glasflaschen nur im Ausnahmefall
Pfandsammler machen um Glasflaschen in der Regel einen großen Bogen. Das hat damit, dass der Verdienst mit 8 Cent pro Flasche äußerst gering ist. Außerdem haben Flaschen ein relativ hohes Eigengewicht, was wiederum den Transport in größeren Mengen zum Supermarkt beschwerlich werden lässt. Plastikflaschen sind dagegen nicht nur leicht, sie bringen pro Stück auch 25 Cent. Wer Dosen sammelt, kann mit einem Pfand in gleicher Höhe kalkulieren. Oft ist es allerdings so, dass Dosen von ihren Besitzern zerdrückt werden, bevor sie in einem Abfallbehälter landen. Zerquetschte Dosen werden von den Leergutautomaten ignoriert. In manchen Fällen kann die deformierte Dose wieder in Form gebracht werden. Wer Transferleistungen erhält, muss darauf achten, dass er den derzeit gültigen Grundfreibetrag von 100 Euro monatlich beim Pfandsammeln nicht überzieht. Grundsätzlich muss dem Jobcenter jeder Hinzuverdienst gemeldet werden. Das Sammeln von Pfandflaschen lässt sich jedoch nicht mit einer Einkommensbescheinigung nachweisen. Außerdem ist es auch bei größtem Zeitaufwand schwer, auf diese Weise mehr als 100 Euro Verdienst pro Monat zu erzielen.

Lohnende Orte
Zur Systematik des Pfandsammelns gehört, dass der Sammler sich bevorzugt an Orte begibt, an denen er mit hoher Wahrscheinlichkeit Sammelgut findet. Parkplätze von Supermärkten zählen dazu. Hier trinken und entsorgen viele Kunden schnell das gerade gekaufte Getränk. Touristische Fixpunkte können sich ebenso als lohnende Sammelorte erweisen wie Rastplätze, Grünanlagen, Kinderspielplätze oder Haltestelle des öffentlichen Nahverkehrs. Routinierte Sammler führen eine Plastiktüte mit sich. Bequemer geht es mit einer Rolltasche.

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